Montag, 8. Februar 2016

Lebenszeichen.

Hallo, meine Lieben.

Wow, es fühlt sich total komisch an, hier wieder etwas zu tippen. So richtig am Computer, mit einer Tastatur und dem wirklichen Blogger-Dashboard vor meinen Augen. Ich habe mich zwar seit meiner schlimmsten Zeit zweimal hier gemeldet, doch wenn, dann immer von der Blogger App- über das Handy. Aber ja, jetzt sitze ich hier und verfasse diesen Blogeintrag. Ich weiß nicht, ob das hier überhaupt noch jemanden erreicht, doch ich hatte in letzter Zeit öfters den Drang dazu, wieder zu bloggen. Einfach um, falls noch jemand da ist, euch zu sagen, dass ich noch lebe.

Tatsächlich habe ich die letzten drei Tage damit verbracht, meine alten Blogeinträge zu studieren.Ich habe mich vom ersten bis zum letzten vorgearbeitet und habe alte Zeiten wieder aufleben lassen, obwohl ich anfänglich die Befürchtung hatte, dem noch nicht gewachsen zu sein. Ja, ich hatte Angst davor, durch das Lesen meiner eigenen Worte über meine einstigen Gefühle, Zwänge und Berichte zu Schneiden, Essen und Suizid, in irgendeiner Weise auf meiner Laufbahn zurückgeworfen zu werden.
Dem war zum Glück nicht ganz so sehr der Fall, wie ich gedacht hatte. 

Beim Lesen fiel mir auf, wie schlecht es mir noch vor zwei Jahren ging. Bisher hatte ich mich zwar für krank bekannt, doch niemals für so schlimm, wie es damals war. Mein Essverhalten hatte wirklich einen verdammten Knicks, genauso wie meine ganze Psyche. Wieso habe ich das nie eingesehen?

Umso schöner ist es für mich aus der heutigen Sicht zu schreiben, denn es geht mir gut. Das tut es wirklich.

Seit 476 Tagen habe ich mich nicht mehr geschnitten und meine Therapie, welche schon über zwei Jahre lang ein fester Bestandteil meines Lebens ist, steht kurz vor ihrem Abschluss. Ich fühle mich bereit dazu, mein Leben ohne professionelle Unterstützung zu meistern, und meine Therapeutin ist langsam auch der Meinung, dass ich das bin.

Meine Essgewohnheiten haben sich noch immer nicht normalisiert, ich schwanke noch immer wild zwischen zu viel und zu wenig und habe den Wunsch, abzunehmen.
Aber
diese Tatsache belastet mich nicht mehr. Ob ich jetzt zwei Kilo mehr oder weniger wiege ist mir egal, solange ich noch in meine Klamotten passe und mein Gewicht einigermaßen halte. Ich habe es mit dem Abnehmen nicht mehr eilig, da ein strenger Diätplan momentan einfach keinen Platz in meinem Leben hat. Zwar versuche ich schon, mich relativ gesund zu ernähren, doch mich macht ein Stück Schokolade nicht mehr verrückt, denn es gibt für mich wichtigeres.

So zum Beispiel meine Arbeit. Seit Schuljahresanfang gebe ich Nachhilfe und betreue einen Jungen bei seinen Hausaufgaben, was mich kräftig einspannt. Von Montag bis Freitag verbringe ich täglich um die 1,5 Stunden dort und versuche, dem Jungen seinen Lernstoff näher zu bringen. Auch wenn es mich viel Energie und Zeit kostet, da ich oft auch Nachmittagsunterricht habe, macht mir die Arbeit Spaß. Es macht mich unheimlich glücklich, zu sehen, dass der Junge immer zutraulicher wird und mir oftmals auch von sich aus von seinem Tag erzählt. Am meisten freut es mich aber, dass er wirklich Fortschritte zu machen scheint- dank meiner Hilfe.

Mit der Schule läuft es so lala. Meine Noten sind nicht unbedingt schlecht, aber auch nicht überdurchschnittlich gut. Das ist eine der Sachen, die ich im nächsten Semester unbedingt ändern möchte. Es geht mit jedem Tag näher aufs Abitur zu und ich möchte einen guten Schnitt erreichen, auch wenn mir das Abitur an sich nichts bedeutet. Hierbei geht es ums Prinzip.


Wovon kann ich euch noch berichten?
Was meine Freunde angeht läuft alles perfekt. Zwar habe ich auch im letzten Jahr Freunde gewonnen und verloren, doch die wichtigsten sind immer geblieben. Dafür bin ich sehr dankbar, denn je weniger es mit der Zeit werden, desto sicherer bin ich, dass die übrigen bleiben. Und wenn ich ehrlich bin, brauche ich nicht viel mehr.

Was soll ich sagen?
Es geht mir einfach gut, und das wollte ich euch mitteilen. Ich habe auch in euren Blogs gestöbert, doch dabei ist mir aufgefallen, dass viele eurer Blogs gelöscht wurden oder schon lange nicht mehr in Betrieb sind. Das freut mich wirklich. Keiner von den genannten wird das lesen, doch ich glaube fest daran, dass sich diese Menschen von ihrer Vergangenheit lösen konnten- denn ich weiß ja selbst, wie sehr so ein Blog triggern kann. Ich hoffe es geht euch allen gut, wo auch immer ihr sein mögt.
Noch mehr freut es mich aber, in bekannten Blogs zu lesen und dabei festzustellen, dass es den Betroffenen viel besser geht als einst. Teilweise konnte ich mir ein Lächeln deswegen gar nicht mehr verkneifen, denn auch euch wünsche ich nur das Beste. Werdet glücklich und lasst los, glaubt mir, es gibt nichts besseres.

Ich weiß noch nicht, ob ich diesen Blog behalten werde, denn irgendwie möchte ich meine Vergangenheit langsam hinter mir lassen, und das kann ich nicht, wenn sie im Internet niedergeschrieben ist. Andererseits fand ich es hilfreich, nocheinmal in meinen früheren Gedanken stöbern zu können.

Nunja, so viel von mir und meinem Leben.
Ich hoffe es geht euch allen gut. Das tu ich wirklich.